Wir waren die Hüter der Balance. Jahrtausende sorgten wir für Gleichgewicht im Wald. Apex-Prädatoren. Die Nahrungskette fand ihren Anfang bei uns. Wir hielten sie alle in Schach – die Rehe, die Schweine. Die schwarzen Bestien waren ein streitbarer Gegner. Unerbittlich jagten wir das Rotwild, die stolzesten unter den Hirschen brachten wir zu Fall. Durch uns konnte sich die ganze Vielfalt dieses unendlich komplexen Konstrukts des großen Schöpfers entfalten.
Dann kamen sie. Die nackten Affen mit ihrem aufrechten Gang. Anfangs waren sie Teil der Balance, Wettbewerber um die Vorherrschaft unter den Raubtieren. Ihre Pfeile und Speere konnten unseren über Jahrtausende gereiften Techniken nicht das Wasser reichen. Wenn wir jagen, werden wir eins. Jeder erfüllt seine Aufgabe, unerbittlich, bis der Gegner blutend am Boden mit einem letzten Röcheln die nächste Stufe seiner Existenz beschreitet.
Einige von uns freundeten sich mit den Affen an, lebten in ihrer Gemeinschaft. Die meisten von ihnen fristen heute ihr Dasein als Schoßtiere, als Schatten ihrer so stolzen Ahnen. Sie werden nie erfahren, was es heißt, das Blut eines anderen Tieres zu vergießen, damit die Zähne deiner Welpen nicht ins Leere schlagen.
Was Fremd ist, kann nur schlecht sein, oder?
Dann wurden die Zweibeiner zum Problem. Die Affen bauten Siedlungen, sie züchteten Vieh. Große Tiere, die den Weg in unsere hungrigen Mägen fanden. Warum sollten wir die Strapazen der Treibjagd auf uns nehmen, wenn ein Festmahl in ihren Zäunen auf uns wartet? Von Wettbewerbern wurden wir zu Feinden, von Feinden zu Pelzlieferanten. Die Spitze der Nahrungskette wurde umgenäht – zu Mänteln. Die Affen verwendeten unser Fell, um ihre Nacktheit zu verhüllen. Mit ihren feuerspuckenden Stöcken mähten sie uns nieder. Gegenwehr war unmöglich. Uns zu töten wurde als Leistung gefeiert. Doch ihre einzige Leistung war etwas Geduld und eine Bewegung mit dem Zeigefinger.
Unsere Art zog sich zurück in die dunklen Wälder des Ostens. Jahrhunderte waren wir weg. Doch das Land unserer Ahnen ruft uns. Einige folgten diesem Ruf. Zaghaft wanderten die Mutigsten von uns zurück. Die Reise war nicht leicht. Die Affen waren überall. Sie vergifteten einige der ersten, andere wurden durch ihre Wagen aus Blech überrollt.
Einer der mächtigsten unter den Zweibeinern sitzt heute in ihrer größten Siedlung im Südwesten. Ein grausamer Gegner. Er fürchtet nicht uns, er fürchtet den Zorn seiner Anhänger. Natürlich werden wir ihr Vieh reißen, wir sind Raubtiere. Doch es gibt Mittel uns davon abzuhalten. Koexistenz funktioniert an so vielen anderen Orten. Doch Peter Hauk will keine Koexistenz.
Es war schon immer eine ihrer fürchterlichsten Eigenschaften: Die Affen zerstören alles, was ihnen Angst macht. Das ist einfacher, als ihre Angst zu überwinden. Auch Peter weiß das. Wir werden ihn nicht umstimmen können. Die Affen, die auf unserer Seite kämpfen, sind zu wenige. Die Feuer-Stöcke warten bereits in ihren Kisten darauf, endlich wieder Tod zu speien.
Also warum die Fassade Peter? Noch sind es nur einzelne von uns. Erledige die Angelegenheit doch selbst. So wie Deine Ahnen vor dir. Komm’ schon Peter, sei ein Mann, hol Deine Büchse Peter, wir wissen beide, wie das enden wird. Hol sie, hol deine Büchse, Peter. Bist du zu feige, es selbst zu tun? Hol deine Büchse Peter. Wenn du etwas nicht kontrollieren kannst, dann mach es besser kaputt. Hol deine Büchse Peter. Hol sie, hol deinen spuckenden Feuerstock. Hör auf zu zögern. Was Fremd ist, kann nur schlecht sein, oder? Hol deine Büchse Peter. Das Ende der Angst ist nur einen Abzug-breit entfernt. Hol deine Büchse Peter, hol sie. Einmal durchladen, zielen, abdrücken, hol deine Büchse Peter, hol sie … und SCHIESS MIR … INS GESICHT.